Gottfried Schuller (in Einsatzjacke und Anzug) und Kommandant Andreas Steinberger (in brauner Uniform).
„Der Mensch muss die Kontrolle behalten und sie muss den Menschen dienen!“ Das hebt Gottfried Schuller, Mitglied der Feuerwehr St. Georgen/Ybbsfelde hervor. Trotz Risken und Unsicherheiten dieser Neuerung, ist er vom Nutzen überzeugt, vor allem aber sei die Künstliche Intelligenz (KI) gekommen, um zu bleiben. Schuller ist nun wohl der erste zertifizierte KI-Beauftragte in Niederösterreich, der als Ehrenamtlicher auch in der Feuerwehr dient. Schuller ist seit 43 Jahren Feuermitglied, Zugskommandant und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der FF St. Georgen/Ybbsfelde, die als „Autobahn-Feuerwehr“ zahlreiche schwere Einsätze zu meistern hat. Und er ist bei fast jedem Einsatz „an vorderster Front“ dabei, bestätigt auch sein Kommandant Andreas Steinberger, der auch Abschnittsfeuerwehrkommandant-Stellvertreter ist.
Der 57-Jährige ist eigentlich als Unternehmensberater tätig, wirkt in der familiären Marketingfirma mit und lehrt als Dozent an Universitäten in Linz, London und Zürich. Für Unternehmen sieht er die KI durchaus positiv: für Recherchen, Routineaufgabe oder zur Informationsgewinnung. Gleichzeitig müsse man kritisch bleiben, denn die KI „halluziniere“ – so der Fachdruck – und das heißt: Sie sucht sich Daten heraus und versucht Ergebnisse plausibel zu erklären, was oft „gelogen“ ist. Daher müsse der Mensch immer die Letztverantwortung haben. Viele Unternehmen hätten die Herausforderungen bereits erkannt und schulen ihre Mitarbeitenden und achten auf Datensicherheit. Die KI sei wie ein Küchenmesser: Man könne damit jemanden verletzen oder gutes Essen zubereiten, das liege an den Menschen.
Als KI-Beauftragter ist Gottfried Schuller in der Lage, KI-Projekte in Organisationen, wie der Feuerwehr, zielgerichtet zu initiieren, zu begleiten und strategisch unter Beachtung ethischer und organisatorischer Rahmenbedingungen zu verankern“, wie es im Zertifikat heißt.
Doch was bedeutet das für das Feuerwehrwesen. Bereits jetzt nutzen viele Feuerwehr-Öffentlichkeitsarbeiter die KI, um Texte zu gestalten. Doch Vorsicht, mahnt Schuller: „Was von der Künstlichen Intelligenz geschaffen wurde, muss auch gekennzeichnet werden: etwa Plakate, Fotos oder Facebook-Beiträge!“ Darüber hinaus müsse man authentisch bleiben, viele Inhalte würden durch die KI verzerrt. Es gebe viele weitere Möglichkeiten, so Schuller, mit Dienstgrad Brandmeister: in der Feuerwehr-Verwaltung, in der Buchhaltung, bei Routineaufgaben und darüber hinaus auch Einsatz-Matrixen. Der St. Georgner Feuerwehrmann ist bekannt für seine tollen Video-Beiträge. Gerne bei der Feuerwehr engagiert sich Schuller, weil ihm Soziales und Kameradschaft viel bedeuten.
Schuller empfiehlt, sich mit der KI aktiv auseinanderzusetzen und keine Angst davor zu haben. Und das mit Hausverstand und Gespür. Das habe die Künstliche Intelligenz nicht. Noch nicht.